Was für eine Geschichte?!

Erzählende, therapeutische und künstlerische Handlungen einer Kultur des Erinnerns

Mit Luise Reddemann, SOG-Theater und erzähl_Mahl Tischgespräch

20 – 22 September 2019 | Graz

18 Sep Zusatztermin erzähl_Mahl

Die Geschichte von zwei Weltkriegen, Nationalsozialismus und Holocaust wirkt bis heute in unserer Gesellschaft, in Familien und im individuellen Leben von Menschen weiter.

Bei den Zeitzeug*innen, die Krieg oder Nachkriegsjahre als junge Menschen erlebt haben, kehren jetzt im Alter oft belastende Erinnerungen zurück. Und auch die jüngeren Generationen spüren – “Da hat etwas Auswirkungen auf mein Leben, das vor meiner Zeit geschehen ist.”

Seit 2015, als viele Menschen aus Kriegs- oder Armutsgebieten bei uns in Europa Schutz gesucht haben, berichten auch viele Österreicher*innen von Flucht und Vertreibung, von Angst, Schuld, Scham und Geheimnissen in den eigenen Familiengeschichten.

Unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Angst, Abwertung, Rassismus und Nationalismus machen sich groß. Die Vermutung liegt nahe, dass das auch mit unserer nicht angenommenen Vergangenheit zu tun hat. Dass zwar die Fakten historisch weitgehend geordnet sind, aber wichtige Geschichten des Erlebens und der Emotionen noch nicht ihren guten Platz haben. Wie ein Vergessen des Erinnerns im Gedenken.

Wenn das so ist, was können wir tun?

Ein Beitrag ist der, einer lebendigen, gemeinschaftlichen Kultur des Erinnerns – als politische Handlung für eine Zukunft in Demokratie, Vielfalt und Freiheit.

Wir laden ein zu Tischgespräch, Theater und zu Vortrag und Workshop mit Luise Reddemann, einer der bekanntesten Trauma-Therapeutinnen im deutschen Sprachraum.

Das Programm im Überblick

erzähl_Mahl – Tischgespräch zu Zeitgeschichte und Gegenwart

Fr 20 September, 18-21.00 Uhr, Graz (ausgebucht)

Zusatztermin: Mi 18 September, 18-21.00 Uhr, Kumberg (1-max 2 Plätze frei)

Vortrag von Luise Reddemann und Playbacktheater mit dem SOG Theater

Sa 21 September, 17.30-21.30, Graz, Burggasse 13, Großer Saal

Workshop mit Luise Reddemann

So 22 September, 10-18.30 Uhr, Graz Burggasse 13, Kleiner Saal

(ausgebucht, wir haben eine Warteliste eröffnet :-))

Programm Details

Weitergabe von Unverarbeitetem an nächste Generationen – was bedeutet das? – Vortrag und Workshop, Luise Reddemann

Jede Generation gibt an eine nächste weiter. Zum Problem kann das werden, wenn Unerledigtes wie Traumatisierungen, Schuld, Ängste mehr oder weniger bewusst weitergegeben werden. Die „Kriegskinder“, die heute alt und sehr alt sind, haben sich in einer Weise für ihre Eltern verantwortlich gefühlt, der sie nicht gewachsen sein konnten. Man kann Vorfahren nicht ihre Schuld abnehmen. Die „Kriegsenkel“ wiederum erlebten ihre durch den Krieg und die NS-Zeit belasteten Eltern und fühl(t)en sich für deren Glücklichsein verantwortlich, auch dies eine unlösbare Aufgabe. Um aus diesen Dilemmata herauszufinden, braucht es Geschichtskenntnisse, Mitgefühl für sich selbst und die Vorfahren, Trauerarbeit. Diesen Themen soll im Vortrag sowie vertieft im Workshop nachgegangen werden.

Zur Person: Luise Reddemann, Begründerin der „Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie (PITT)“. Dr. med., FÄ für Nervenheilkunde und psychotherapeutische Medizin, Psychoanalytikerin, Arbeitet seit 35 Jahren überwiegend mit traumatisierten Menschen. Honorarprofessorin für Psychotraumatologie an der Universität Klagenfurt. luise-reddemann.de/

Playback- und Erinnerungstheater mit Geschichten aus dem Publikum – SOG Theater

Playbacktheater nach Jonathan Fox ist eine improvisierte Form von Theater, im Mittelpunkt stehen Geschichten aus dem Publikum. Die Moderation bewegt sich zwischen Publikum und Bühne, stellt Fragen, holt Wortmeldungen, Assoziationen und Geschichten zum Thema ein, fasst diese in eine Spielform und übergibt sie dann an das Schauspielteam. Auf der Bühne setzen vier Schauspieler*innen und eine Musiker*in das Erzählte künstlerisch – assoziativ um. Realistisch und zauberhaft, fließend zwischen Worten und Symbolik. Die Essenz der Geschichte bekommt ein Gesicht, eine Bewegung, eine Atmosphäre – und meist auch neue Facetten des Erlebens für die Erzählenden. blog.sog-theater.com/

erzähl_Mahl – Tischgespräche zu Zeitgeschichte und Gegenwart

Wir laden zu Gesprächen ein, die unser persönliches und familiäres Leben im Kontext eines größeren Rahmens betrachten. Dieses erzähl_Mahl widmet sich den Folgen von Krieg, Nationalsozialismus und Holocaust. Was hat das heute noch mit mir zu tun? dorothea-kurteu.at/erzaehl_mahl-tischgespraeche/

Organisatorisches

Anmeldung

Der Besuch aller drei Veranstaltungen ist nur mit vorheriger Anmeldung möglich!

Kosten

  • erzähl_Mahl, Fr, 20.09. – Beitrag nach eigenem Ermessen
  • Vortrag und Theater, Sa, 21.09. – 42.- (inkl MWSt) inkl Pausensnacks + Getränke
  • Workshop, So, 22.09. – 140.- bzw 130.- (inkl MWSt) bei Frühbuchung + Einzahlung bis 10. Juni 2019

Kooperation

Diese Veranstaltung ist eine Zusammenarbeit von mir mit Christine Blumenstein-Essen/Institut APSYS und Die Intervention. Kulturelle Handlungen

Das Buch zum Thema

„Es geht darum, nicht nur zu wissen, sondern sich auch erschüttern zu lassen, um zu trauern und die Vergangenheit zu akzeptieren, wie sie war, um schließlich gegenwärtiger sein zu können. Nicht akzeptiertes und integriertes Vergangenes hindert am Gegenwärtigsein, darüber belehren uns Psychoanalyse und Traumaforschung seit längerem und spirituelle Traditionen seit Jahrtausenden.“

Luise Reddemann – „Kriegskinder und Kriegsenkel in der Psychotherapie. Folgen der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs erkennen und bearbeiten – eine Annäherung“, Verlag Klett-Cotta 2015