Hier versammeln sich kurze Texte, die meist beim Streunen durch die Stadt (Graz, Wien, aber auch andere) entstehen. Mein Blick ist dabei ein eher poetischer. Mich interessieren die Orte und Atmosphären des Öffentlichen Raumes, Themen und Fragen unseres Guten Zusammenlebens, einer Caring Democracy (vgl. Joan Tronto, Berenice Fisher, Sabine Hark)

Stadtnotizen 05 | Momente guten Lebens

Die Straße vor dem Haus, der Baum, der Himmel, am frühen Morgen. Die Frau mit dem Hund. Wir grüßen einander, lächeln uns an. Der Straßenkehrer in aller Ruhe, er hört Radio. Auch wir grüßen uns. Ich mag meine Straße.

29.04.2022

Stadtnotizen 04 | Orte der Nachbarschaft

In Griechenland gibt es diesen schönen Brauch, dass man Fremden erst einmal zu Essen anbietet, bevor man sie nach ihrem Namen, ihren Wegen und Geschichten fragt (ihr kennt das vielleicht aus der Odyssee).

Jetzt weiß ich zwar bereits, wie die junge Frau, die ab Montag neben mir wohnen wird, heißt und ich kenne auch bereits ein kleines Stück ihrer Geschichte. Ihre Fluchtgeschichte aus der Ukraine über die Slowakei nach Österreich. Aber das Essen wird bereitstehen, Suppe vorzugsweise, oder nährende Eintöpfe. Und meine Tür wird offen bleiben. So wie die Türen der anderen Nachbar*innen hier im Haus. Ich bin dankbar, hier zu leben.

02.04.2022

Stadtnotizen 03 | Geteilter Raum

Sonntagmorgen im Paulschlössl im Grazer Augarten, ein Café der Caritas. Ein guter Ort, um mein nächstes zeiträume Podcast Gespräch mit Doro Blancke vorzubereiten.

Doro ist seit 2015 Aktivistin in der Flüchtlingshilfe, in den vergangenen Jahren vor allem auf der griechischen Insel Lesbos. Eine kraftvolle und schöne Stimme für das, was Sabine Hark in ihrem Essay das “politische Ethos der Kohabitation” nennt. “Wir lernen die Welt zu teilen, oder wir leben nicht.”

13.03.2022

dazu hören: “Wir haben Frieden nicht gelernt” | zeiträume podcast mit Doro Blancke

Stadtnotizen 02 | Orte der Solidarität und der Liebe

“Friedensarbeit verlangt laute Stimmen, aber auch stille und vor allem die Liebe”, sagt Doro Blancke, seit vielen Jahren Aktivistin der Flüchtlingshilfe, heute bei der Friedenskundgebung von we4moria Graz uva am Grazer Freiheitsplatz. Und – “Wir alle haben Frieden nicht gelernt.”

Es war keine Demonstration, sondern ein kollektives Gespräch, das wir da miteinander geführt haben. Danke an die Organisator*innen, die Sprecher*innen, die Musiker*innen💛 Wenn Viele, die sich hilflos fühlen, das Wenige tun, kann eine Gegenposition entstehen.

05.03.2022

dazu hören: “Wir haben Frieden nicht gelernt” | zeiträume podcast mit Doro Blancke

Stadtnotizen 01 | Tröstliche Orte

[Geschrieben in den Tagen nach Kriegsbeginn in der Ukraine]

Welche Orte sind es, an denen es euch besser geht, als gerade eben noch?

Einer von meinen ist der Bauernmarkt. Kein bestimmter und zum Glück gibt es einige in dieser Stadt. Vielleicht ist es die Atmosphäre, die durch das Handeln mit Lebensmitteln unter freiem Himmel entsteht. Vielleicht ist es, weil Märkte Kreuzungsorte sind, in alle Richtungen führen Wege zu ihnen hin und von ihnen weiter. Vielleicht ist es, weil Märkte in nicht wenigen literarischen Geschichten, die ich liebe, einen (oft auch gefährlichen) Treffpunkt, manchmal Wendepunkt bedeuten.

Als erstes bin ich heute zu einem meiner Lieblingsstandln. Äpfel, Birnen, Saft und Hendl gibt es da zu kaufen. Ich nehme fünf Cox Orange und … mir fällt das Wort des Hendlteils nicht ein … Filet? Flügerl? Haxerl? hilft mir die Standlerin. Haxerl! Sie wiegt, packt ein, rechnet … Ich reiche ihr einen 20er. Wieviel hab ich gesagt kosten die Äpfel? fragt sie. Ich weiß es nicht mehr, leider, hab nicht aufgepasst. Wir lächeln uns an und ich packe sie noch einmal aus, die Äpfel. Sie sagt den Preis. Hab ich Ihnen jetzt schon Geld gegeben? Sie lacht und zeigt mir den 20er. Sorry, sag ich, ich denke an zu vieles gleichzeitig in diesen Tagen. Ja, ich auch sagt sie, aber wir sind ein gutes Team. Ein tröstlicher Ort, der Markt.

04.03.2022

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